Friedrich Merz sieht iranische Führung unter massivem Druck
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich Anfang Januar 2026 ungewöhnlich deutlich zur politischen Lage im Iran geäußert. Während seines Indien-Besuchs sprach er angesichts der anhaltenden Massenproteste von einem möglichen baldigen Ende der iranischen Staatsführung.
„Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende“, sagte Merz in Bengaluru. Anschließend fügte er hinzu, er gehe davon aus, dass man gerade die „letzten Tage und Wochen dieses Regimes“ sehe. Mehrere deutsche Medien bestätigten die Aussagen und ordneten sie eindeutig als Bezug auf die iranische Führung ein.
Die Aussage sorgte international für Aufmerksamkeit, weil sie deutlich über eine gewöhnliche Kritik an der Menschenrechtslage hinausging. Merz stellte damit die politische Überlebensfähigkeit der Führung in Teheran infrage.
Massenproteste setzen Regierung unter Druck
Hintergrund der Äußerungen waren massive Proteste im Iran. Nach Angaben deutscher Medien hatten sich die Demonstrationen über zahlreiche Regionen des Landes ausgebreitet. Die Sicherheitskräfte gingen mit großer Härte gegen Demonstrierende vor. Gleichzeitig verschärften sich die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes.
Merz kritisierte insbesondere die Gewalt der iranischen Sicherheitskräfte. Er bezeichnete das Vorgehen gegen friedliche Demonstranten als „unverhältnismäßig“ und „brutal“ und forderte die iranische Führung auf, die eigene Bevölkerung zu schützen, anstatt sie zu bedrohen.
Der Kanzler würdigte außerdem den Mut der Menschen, die trotz der Gefahren auf die Straße gingen. Nach seiner Einschätzung zeigte die Protestbewegung, dass die politische Unterstützung für die Führung erheblich geschwächt sei.
Merz spricht von fehlender Legitimation
Besonders weitreichend war Merz’ Einschätzung zur politischen Legitimation des iranischen Systems. Der Kanzler argumentierte, die Führung in Teheran verfüge nicht über eine demokratische Legitimation durch freie Wahlen und stehe nun einer Bevölkerung gegenüber, die sich zunehmend gegen das System erhebe.
Damit verband Merz die aktuelle Gewalt mit einer grundsätzlichen politischen Frage: Wie lange kann eine Regierung bestehen, wenn sie ihre Macht hauptsächlich durch Repression und Gewalt absichert?
Genau darin sieht der Bundeskanzler offenbar ein Zeichen für eine grundlegende Schwächung des Systems.
Ein schneller Machtwechsel ist jedoch keineswegs sicher
Trotz der dramatischen Einschätzung von Merz warnten Beobachter davor, seine Prognose als sichere Vorhersage eines unmittelbar bevorstehenden Regimewechsels zu verstehen.
Die Geschichte des Iran zeigt, dass frühere Protestbewegungen ebenfalls große Ausmaße erreichten, ohne dass es zu einem politischen Zusammenbruch kam. Entscheidend ist unter anderem, ob die Sicherheitskräfte und andere Machtzentren des Staates weiterhin geschlossen hinter der Führung stehen.
Auch deshalb bleibt offen, ob die damaligen Proteste tatsächlich zu einem grundlegenden Machtwechsel führen würden oder ob die Führung in Teheran ihre Kontrolle wieder festigen könnte.
Zwischen Hoffnung auf Wandel und Gefahr weiterer Eskalation
Merz betonte zugleich, dass eine friedliche Lösung wünschenswert sei. Deutschland stand dabei gemeinsam mit internationalen Partnern vor der schwierigen Frage, wie der Druck auf die iranische Führung erhöht werden kann, ohne eine weitere Eskalation auszulösen.
Die Äußerungen des Kanzlers waren deshalb nicht nur innenpolitisch relevant. Ein möglicher Machtwechsel im Iran hätte erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Region und auf die internationale Sicherheitspolitik.
Gleichzeitig ist die Situation komplex: Zwischen Massenprotesten, wirtschaftlicher Krise, staatlicher Repression und geopolitischen Spannungen lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen, wann oder ob ein politisches System tatsächlich zusammenbricht.
Was passiert als Nächstes?
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob Merz mit seiner Prognose recht behalten wird. Vielmehr wird sich zeigen, ob die Protestbewegung dauerhaft politischen Druck aufbauen kann, ob sich innerhalb des Machtapparates Risse bilden und ob die Führung in Teheran weiterhin in der Lage ist, ihre Kontrolle über den Staat aufrechtzuerhalten.
Merz’ Aussage bleibt damit eine politische Einschätzung – keine bestätigte Vorhersage eines unmittelbar bevorstehenden Machtwechsels.
Fest steht jedoch: Seine Worte über die „letzten Tage und Wochen“ des iranischen Regimes machten deutlich, wie ernst die Bundesregierung die damalige Entwicklung im Iran einschätzte.
