October 1, 2026

Krone-Schmalz kritisiert Europas Russlandpolitik – der Streit um von der Leyens Flug wird zum Prüfstein

Die Debatte über Europas Umgang mit Russland erhält neue Aufmerksamkeit. Im Mittelpunkt steht dabei erneut die Publizistin und frühere ARD-Russlandkorrespondentin Gabriele Krone-Schmalz, die seit Jahren eine kritischere Betrachtung der europäischen Russlandpolitik fordert. Gleichzeitig sorgt der Vorfall um einen Flug von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weiterhin für Diskussionen über die Frage, wie sicher bestimmte Behauptungen über eine mögliche russische Beteiligung bewertet werden können.

Der Flug nach Bulgarien

Der betreffende Vorfall ereignete sich am 31. August 2025. Ursula von der Leyen befand sich auf dem Weg von Warschau nach Plowdiw in Bulgarien, als das Flugzeug von einer Störung des GPS-Signals betroffen war.

Die EU-Kommission bestätigte damals, dass es zu GPS-Jamming gekommen war. Das Flugzeug konnte schließlich sicher in Plowdiw landen. Berichten zufolge musste sich die Besatzung während der Störung auf andere Navigationsmöglichkeiten verlassen.

Zunächst wurde von bulgarischer Seite die Vermutung geäußert, dass Russland hinter der Störung stehen könnte. Diese Darstellung wurde jedoch nicht von allen Seiten gleich bewertet. Der Kreml wies die Anschuldigungen zurück und bezeichnete entsprechende Behauptungen als falsch. Auch die bulgarische Regierung kündigte zunächst keine eigenen Ermittlungen zu dem Vorfall an.

Damit entstand eine politische Diskussion, die weit über den konkreten Flug hinausging.

Warum Krone-Schmalz die Russlandpolitik kritisiert

Gabriele Krone-Schmalz vertritt seit Jahren die Position, dass die Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und Europa nicht ausschließlich aus der Perspektive des russischen Handelns betrachtet werden sollte. Sie verweist unter anderem auf die NATO-Osterweiterung, die europäische Sicherheitspolitik und die Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen.

Ihre Positionen sind allerdings umstritten. Der ARD-Faktenfinder berichtete bereits früher ausführlich über die Kritik von Osteuropa-Historikern an verschiedenen Aussagen von Krone-Schmalz zur Ukraine und zu Russland. Gleichzeitig ist dokumentiert, dass sie den russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 als völkerrechtswidrig bezeichnet hat, sich aber gegen Waffenlieferungen und für Gespräche mit Wladimir Putin ausgesprochen hat.

Die aktuelle Debatte zeigt deshalb erneut, wie unterschiedlich die Ursachen und Konsequenzen der europäischen Russlandpolitik bewertet werden.

Von der Leyens Sicht auf Russland

Ursula von der Leyen vertritt dagegen eine deutlich härtere Linie gegenüber der russischen Regierung. Die EU-Kommissionspräsidentin hat wiederholt für Sanktionen gegen Russland und eine stärkere Unterstützung der Ukraine geworben.

Auch 2026 bekräftigte von der Leyen diese Position. Nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle im Zusammenhang mit einer Sprengstoff-Drohne erklärte sie, Russland sei für den versuchten Angriff verantwortlich. Die Bundesregierung hatte zuvor ebenfalls Russland dafür verantwortlich gemacht. Russland wies die Vorwürfe zurück und verlangte Beweise.

Diese unterschiedlichen politischen Bewertungen bilden den Hintergrund für die breitere Auseinandersetzung über Europas Verhältnis zu Moskau.

Der eigentliche Streitpunkt

Der Streit dreht sich deshalb nicht nur um einen einzelnen Flug oder eine GPS-Störung. Dahinter steht eine grundsätzliche Frage: Wie sollte Europa mit Sicherheitsvorfällen umgehen, bei denen eine mögliche russische Beteiligung vermutet wird, während gleichzeitig nicht jede öffentlich geäußerte Behauptung unmittelbar unabhängig bewiesen ist?

Im Fall des von der Leyen-Fluges wurde die GPS-Störung bestätigt. Die weitergehende Frage nach ihrer konkreten Ursache beziehungsweise einer russischen Verantwortung wurde jedoch unterschiedlich dargestellt und politisch diskutiert.

Für Kritiker der europäischen Russlandpolitik ist dies ein Beispiel dafür, dass zwischen bestätigten Tatsachen, politischen Einschätzungen und Vermutungen klar unterschieden werden sollte.

Befürworter einer härteren europäischen Russlandpolitik verweisen dagegen auf eine Reihe von Sicherheitsvorfällen und auf die Entwicklung des russischen Krieges gegen die Ukraine. Von der Leyen hat deshalb wiederholt betont, dass Europa seine Verteidigungsfähigkeit stärken und den Druck auf Russland aufrechterhalten müsse.

Eine Debatte mit weitreichenden Folgen

Die Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Sichtweisen auf Russland dürfte damit weitergehen. Während Krone-Schmalz für einen stärkeren Fokus auf Diplomatie, Dialog und die Vorgeschichte der Konflikte steht, setzt die EU-Führung unter von der Leyen weiterhin auf Unterstützung der Ukraine, Sanktionen und eine stärkere europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Der Streit um den Flug zeigt dabei vor allem, wie wichtig eine genaue Trennung zwischen bestätigten Fakten und politischen Schlussfolgerungen ist. Die GPS-Störung ist dokumentiert; die Interpretation ihrer Ursache und ihre politische Bedeutung bleiben Teil einer kontroversen Debatte.

Auch deshalb ist der Fall zu einem Prüfstein für die Frage geworden, wie Deutschland und Europa künftig mit Informationen über mögliche russische Einflussnahme und Sicherheitsbedrohungen umgehen.

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