Die Zweifel am Fortbestand der schwarz-roten Bundesregierung aus Union und SPD haben im Frühjahr 2026 deutlich zugenommen. Eine Umfrage des ZDF-Politbarometers zeigt, dass inzwischen 48 Prozent der Befragten mit einem vorzeitigen Ende der Koalition rechnen. Nur 47 Prozent gingen davon aus, dass das Bündnis bis zur nächsten regulären Bundestagswahl im Jahr 2029 bestehen bleibt.
Damit hat sich die Einschätzung innerhalb weniger Monate deutlich verändert. Im März 2026 waren noch 66 Prozent davon ausgegangen, dass die Regierung die gesamte Legislaturperiode überstehen werde. Damals rechneten lediglich 30 Prozent mit einem vorzeitigen Ende. Die neuen Zahlen zeigen somit eine deutlich gestiegene Skepsis gegenüber der langfristigen Stabilität des Regierungsbündnisses.
Deutliche Unzufriedenheit mit der Regierungsarbeit
Parallel zu den Zweifeln am Fortbestand der Koalition fiel auch die Bewertung der Bundesregierung schlechter aus. Im Mai bezeichneten 69 Prozent der Befragten die Arbeit der schwarz-roten Koalition als eher schlecht. Lediglich 26 Prozent bewerteten die Regierungsarbeit als eher gut. Zum Vergleich: Kurz nach dem Amtsantritt der Regierung Ende Mai 2025 hatten sich noch 51 Prozent zufrieden und 32 Prozent unzufrieden mit der Bundesregierung gezeigt.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz erhielt deutlich schlechtere Bewertungen als zu Beginn seiner Amtszeit. Im aktuellen Politbarometer bewerteten 28 Prozent seine Arbeit als eher gut, während 68 Prozent sie als eher schlecht einstuften. Ein Jahr zuvor lagen die entsprechenden Werte bei 47 beziehungsweise 35 Prozent.
Mehrere Umfragen zeigen ähnliche Zweifel
Die Entwicklung beschränkte sich nicht auf eine einzige Befragung. Eine INSA-Umfrage im Auftrag der „Bild“, bei der vom 8. bis 11. Mai 2026 insgesamt 1.003 Wahlberechtigte befragt wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 49 Prozent ein vorzeitiges Ende der Koalition wünschen. 32 Prozent wollten dagegen, dass CDU/CSU und SPD bis zum regulären Ende der Legislaturperiode weiterregieren. 19 Prozent machten keine Angabe.
Auch das RTL/ntv-Trendbarometer zeichnete ein ähnliches Bild. Dort erwarteten 53 Prozent der Befragten, dass die schwarz-rote Koalition vor dem regulären Ende der Legislaturperiode auseinanderbrechen könnte. 43 Prozent gingen dagegen davon aus, dass das Bündnis bis Anfang 2029 bestehen bleibt.
Unterschiede zwischen den Umfragen beachten
Die verschiedenen Zahlen sind allerdings nicht unmittelbar gleichzusetzen. Die Untersuchungen stellten teilweise unterschiedliche Fragen: Während das ZDF-Politbarometer danach fragte, ob die Befragten mit einem vorzeitigen Ende rechnen, ging es bei der INSA-Erhebung darum, ob die Befragten ein vorzeitiges Ende wünschen.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Eine Person kann beispielsweise davon ausgehen, dass eine Koalition vorzeitig endet, ohne dies selbst zu befürworten. Die Ergebnisse sollten deshalb als unterschiedliche Momentaufnahmen der öffentlichen Meinung verstanden werden.
Auch die Parteienwerte sorgen für Diskussionen
Im ZDF-Politbarometer vom Mai zeigte sich zudem eine veränderte Stimmung bei der sogenannten Sonntagsfrage. CDU/CSU kamen auf 25 Prozent, die SPD auf 12 Prozent. Die AfD erreichte 27 Prozent, während die Grünen bei 13 Prozent und die Linke bei 11 Prozent lagen.
Solche Umfragewerte sind jedoch keine Vorhersage eines späteren Wahlergebnisses. Sie spiegeln die politische Stimmung zum Zeitpunkt der jeweiligen Befragung wider und können sich bis zu einer tatsächlichen Wahl deutlich verändern. Auch Stichprobengröße, Befragungsmethode und Fragestellung können die Ergebnisse beeinflussen.
Was die Zahlen über die Bundesregierung aussagen
Die Umfragen zeigen vor allem eines: Im Frühjahr 2026 war die öffentliche Skepsis gegenüber der schwarz-roten Bundesregierung deutlich gewachsen. Sowohl die Bewertung der Regierungsarbeit als auch die Einschätzung ihrer langfristigen Stabilität hatten sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert.
Ob die Koalition tatsächlich vorzeitig endet, lässt sich aus den Umfragen jedoch nicht ableiten. Die reguläre Bundestagswahl ist für 2029 vorgesehen, und politische Entwicklungen, Entscheidungen innerhalb der Koalition sowie die öffentliche Stimmung können sich bis dahin verändern.
Hinweis: Umfrageergebnisse sind Momentaufnahmen und sollten nicht als sichere Prognosen über die zukünftige Entwicklung der Bundesregierung verstanden werden.
