January 15, 2026

Das Schlimmste verhindert – gute Arbeit, Kanzler!

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Eine unterschätzte Leistung: Wie Europa verhindert, dass Trump die Ukraine fallen lässt

Den europäischen Staaten ist es bislang nicht gelungen, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Trotz zahlreicher Gipfeltreffen, Sanktionen, Waffenlieferungen und diplomatischer Initiativen hält der russische Angriffskrieg weiter an. Doch während dieser Misserfolg häufig – und nicht zu Unrecht – kritisiert wird, bleibt eine andere, entscheidende Leistung Europas meist unbeachtet: Es gelingt den Europäern immer wieder, den ehemaligen und erneut einflussreichen US-Präsidenten Donald Trump davon abzubringen, die Ukraine und Europa vollständig im Stich zu lassen.

Trump hat mehrfach deutlich gemacht, dass er die amerikanische Unterstützung für die Ukraine infrage stellt. In seinen Äußerungen bezeichnete er den Krieg als „europäisches Problem“ und stellte offen zur Diskussion, ob die USA weiterhin Milliardenhilfen leisten sollten. Für viele europäische Regierungen bedeutete dies eine strategische Alarmstufe: Ein abrupter Rückzug Washingtons würde nicht nur die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine massiv schwächen, sondern auch die sicherheitspolitische Ordnung Europas ins Wanken bringen.

In diesem Kontext haben europäische Diplomaten, Regierungschefs und Sicherheitsberater eine ständige Balancearbeit geleistet. Sie appellieren an Trumps transaktionales Denken, betonen wirtschaftliche Vorteile für die USA, verweisen auf Rüstungsaufträge, Arbeitsplätze und geopolitische Stabilität. Gleichzeitig versuchen sie, seine Sorge vor einer „Überforderung Amerikas“ aufzugreifen und mit dem Versprechen größerer europäischer Eigenverantwortung zu begegnen.

Besonders hinter den Kulissen zeigt sich diese Leistung. In bilateralen Gesprächen, auf NATO-Treffen und bei internationalen Konferenzen wird immer wieder versucht, Trump davon zu überzeugen, dass ein Sieg Russlands langfristig auch den Interessen der USA schaden würde. Ein destabilisiertes Europa, geschwächte Bündnisse und ein Präzedenzfall für militärische Aggression wären Signale, die auch China oder Iran aufmerksam verfolgen.

Dabei ist Europas Rolle oft undankbar. Nach außen wirkt es, als reagiere der Kontinent nur, statt zu führen. Doch in Wahrheit betreibt Europa Krisendiplomatie auf Dauerbetrieb: nicht mit dem Ziel, den Krieg sofort zu beenden – wozu es derzeit schlicht an Einfluss und Hebeln fehlt –, sondern um ein noch größeres Desaster zu verhindern.

Diese Leistung ist schwer messbar und medial wenig spektakulär. Sie äußert sich nicht in klaren Erfolgszahlen oder historischen Durchbrüchen, sondern im Ausbleiben des Schlimmsten: einem vollständigen amerikanischen Rückzug aus der Unterstützung für die Ukraine. Dass dies bislang nicht geschehen ist, liegt auch an der beharrlichen, oft frustrierenden, aber strategisch notwendigen Überzeugungsarbeit Europas.

Am Ende bleibt eine ernüchternde Erkenntnis: Europa kann den Krieg nicht beenden, aber es kann Zeit kaufen. Zeit für die Ukraine, sich zu verteidigen. Zeit für Europa, seine eigene Sicherheitsarchitektur zu stärken. Und Zeit, um die transatlantische Partnerschaft – trotz aller Spannungen – funktionsfähig zu halten.

Gerade weil diese Aufgabe leise, mühsam und unvollkommen ist, wird sie unterschätzt. Doch in einer Welt wachsender geopolitischer Unsicherheiten ist genau diese Form der Diplomatie oft entscheidender als große Worte oder schnelle Siege.

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