
Die Kritik an der alljährlichen Silvesterknallerei erreicht einen neuen Höhepunkt: Rund 2,7 Millionen Menschen haben eine Petition für ein bundesweites Böllerverbot unterschrieben. Damit ist sie nach Angaben des Kampagnenportals innn.it die größte Petition in der Geschichte Deutschlands. Initiiert wurde sie von der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die den Rekord nun für einen eindringlichen Appell an die Politik nutzt.

Besonders deutlich äußerte sich der Berliner GdP-Landeschef Stephan Weh. Er forderte ein persönliches Gespräch mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, der ein generelles Verbot von Silvesterfeuerwerk bislang ablehnt. „Wir wollen nicht warten, bis einer unserer Kolleginnen oder Kollegen durch diesen sinnfreien und wilden Böller-Wahnsinn in der Nacht sein Leben lässt“, sagte Weh. Deutschland sei „bereit für ein Umdenken an Silvester“.
Polizei warnt vor Eskalation und Überlastung

Die GdP drängt seit Jahren aus Sicherheitsgründen auf ein Verkaufsverbot von Pyrotechnik an Privatpersonen. Als Alternative schlägt sie organisierte, professionelle Feuerwerke vor, die von Städten oder Veranstaltern durchgeführt werden. Diese seien besser kontrollierbar, sicherer und würden Einsatzkräfte deutlich entlasten.
Auch der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke fand klare Worte. Er warnte vor „rechtsfreien Räumen“, die sich in der Silvesternacht durch unkontrollierte Knallerei bildeten. In einem Interview kritisierte er die ablehnende Haltung der Bundesregierung zu einem generellen Böllerverbot scharf. „Jetzt muss sich Herr Dobrindt auch an der Silvesterbilanz messen lassen“, sagte Kopelke mit Blick auf den Bundesinnenminister.
Zugleich warf er Dobrindt eine falsche Prioritätensetzung vor: Auf dessen Anweisung seien rund 15.000 Polizistinnen und Polizisten an den Grenzen im Einsatz. Diese Kräfte fehlten nach Ansicht der GdP beim Schutz von Städten, Bahnhöfen und Rettungskräften in der besonders angespannten Silvesternacht.
Mehr als nur eine Sicherheitsfrage
Die Debatte um das Silvesterfeuerwerk geht jedoch über Polizeieinsätze hinaus. Neben Verletzungen von Einsatzkräften werden auch hohe Zahlen an Verletzten, Sachschäden, Lärmbelastung, Feinstaub sowie der Stress für Tiere immer wieder kritisiert.
Laut einem Bericht des Spiegel spricht sich inzwischen eine Mehrheit der Bundesländer dafür aus, den Umgang mit Silvesterfeuerwerk neu zu regeln. Zehn Länder sollen demnach offen für Veränderungen sein – allerdings mit unterschiedlichen Vorstellungen.
Die Stadtstaaten Berlin und Bremen plädieren dafür, dass die Länder selbst über ein Böllerverbot entscheiden dürfen. Bayern unterstützt zwar mehr Entscheidungsspielraum, will das Böllern grundsätzlich aber weiterhin erlauben. Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern befürworten vor allem, den Kommunen mehr Befugnisse für lokale Böllerverbote einzuräumen.
Druck auf die Politik wächst
Mit der Rekordzahl von 2,7 Millionen Unterschriften wächst der politische Druck erheblich. Die Petition zeigt, dass das Thema Silvesterfeuerwerk längst kein Randthema mehr ist. Ob es in absehbarer Zeit zu einem bundesweiten Böllerverbot kommt oder zumindest zu deutlich strengeren Regeln, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Forderung nach einem ruhigeren, sichereren Silvester findet in der Bevölkerung so viel Unterstützung wie nie zuvor.