Neujahrsüberraschung oder politische Provokation? Das virale AfD-Video, das Weihnachtsgrüße mit scharfer Regierungskritik vereint, entfaltet sich wie ein explosives Politdrama auf der Plattform X. Während die Partei ein Umfragehoch feiert und sich als Hoffnungsträger inszeniert, werden geheime Familiengespräche und emotionale Appelle zur Mobilisierung von „besorgten Bürgern“ genutzt, um die Debatte über die Zukunft Deutschlands zu entfachen. Ein Blick auf die strategische Kommunikation der AfD, die am Silvesterabend den politischen Raum aufwirbelt!
AfD-Video mit Weihnachts- und Neujahrsbotschaften geht viral – Partei feiert Umfragehoch und warnt vor „Altparteien“*

Ein neues Video des umstrittenen AfD-nahen Kanals „Glücksritter“ verbreitet sich am Silvesterabend mit hoher Geschwindigkeit auf der Plattform X. Der Beitrag, der als eine Art politische Neujahrsansprache inszeniert ist, kombiniert Weihnachtsgrüße von AfD-Politikern mit scharfer Regierungskritik und vermeintlichen Enthüllungsvideos aus dem privaten Umfeld. Kernbotschaft ist ein Appell zum politischen Wechsel im kommenden Jahr.
Der Videoclip, eine Collage aus verschiedenen Sequenzen, beginnt mit festlichen Grüßen. Der österreichische FPÖ-Politiker Herbert Kickl, ein enger ideologischer Verbündeter der AfD, hält eine emotional aufgeladene Weihnachtsansprache. Er spricht von persönlichem Leid, der Last der Sorgen in der Bevölkerung und betont traditionelle Werte wie Familie, Glaube und Heimat. Diese Botschaft wird vom Moderator als „extrem wichtig“ gelobt, da sie sich auf „das wirklich Wichtige“ konzentriere.
Im scharfen Kontrast dazu folgt die politische Kampfansage des sächsischen AfD-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla. Vor der Kulisse sächsischer Schwibbögen erklärt er, die anderen Parteien führten Deutschland „in die falsche Richtung“. Als „Hoffnung am Ende des Tunnels“ präsentiert er seine eigene Partei: „Die Alternative für Deutschland führt bundesweit die Umfragen an.“ Chrupalla kündigt für das kommende Jahr „entschiedene Oppositionsarbeit“ an, um den Weg zu einer „Regierung für Deutschland“ zu ebnen.

Die virale Verbreitung des Videos wird laut dem „Glücksritter“-Moderator aktiv forciert. Er ruft seine Zuschauer mehrfach dazu auf, das Video zu teilen, mit „Daumen hoch“ zu bewerten und kommentieren. Jedes Engagement führe dazu, „dass wir schneller Neuwahlen bekommen“. Diese explizite Aufforderung zur Interaktion ist ein zentrales Element der strategischen Verbreitung.
Ein weiterer kontroverser Bestandteil des viralen Clips ist ein heimlich aufgenommenes Tonband einer hitzigen Familien-Diskussion am Weihnachtstisch. Die Aufnahme, deren rechtliche Zulässigkeit unklar ist, soll zeigen, wie „Bürger hinter verschlossenen Türen argumentieren“. In dem Fragment geht es um migrationspolitische Vorwürfe und das Gefühl, die eigene Meinung nicht mehr frei äußern zu können. Der Moderator kommentiert, er kenne „keinen einzigen AfD-Wähler, der ein astreiner Rassist ist“, sondern nur „besorgte Bürger“.

Der Beitrag schließt mit einer Reihe weiterer kurzer, emotionalisierender Videosequenzen. Gezeigt werden Szenen von angeblichen „Eskalationen“ auf Weihnachtsmärkten, ein Rentner, der wegen eines Interviews beschimpft wird, und jubelnde Menschen um den Magdeburger AfD-Politiker Ulrich. Diese Bilder sollen den Narrativ einer gespaltenen Gesellschaft und einer populären AfD untermauern, während etablierte Politiker wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) diffamiert werden.
Die Gesamterscheinung des Videos ist professionell geschnitten und zielt klar auf emotionale Resonanz und politische Mobilisierung ab. Es verbindet den sentimentalen Rahmen des Weihnachtsfestes mit apokalyptischer Politik-Kritik und stellt die AfD als einzige kraftvolle Alternative dar. Die Tatsache, dass es sich am Silvesterabend, einem Zeitpunkt hoher medialer Aufmerksamkeit und emotionaler Reflexion, viral verbreitet, unterstreicht die strategische Kommunikation der AfD-nahen Netzwerke.

Medienexperten warnen seit Langem vor der Wirkmacht solcher narrativ starken, in privaten Messengern und sozialen Netzwerken geteilten Clips. Sie umgehen klassische redaktionelle Filter und erreichen ein Publikum, das traditionellen Nachrichtenkanälen zunehmend misstraut. Die direkte Ansprache, der Aufruf zur Interaktion und die Mischung aus persönlichen Botschaften und politischer Agitation machen diese Form der Kommunikation besonders wirkungsvoll.
Die Reaktionen der im Video kritisierten „Altparteien“ stehen noch aus. Es ist jedoch zu erwarten, dass der virale Erfolg dieser Neujahrsbotschaft die politische Debatte zu Beginn des Wahljahres 2025 weiter anheizen wird. Die AfD nutzt die Schwelle zum neuen Jahr geschickt, um sich als sammelnde Kraft aller „besorgten Bürger“ zu inszenieren und ihren Anspruch auf Regierungsverantwortung erneut zu untermauern. Die weitere Verbreitung und Wirkung dieses Contents wird von Sicherheitsbehörden und Demokratieforschern mit größter Aufmerksamkeit beobachtet.