
Die Debatte über eine mögliche Rückkehr russischer Gaslieferungen nach Deutschland hat Ende September 2026 neue Aufmerksamkeit bekommen. Im Mittelpunkt stehen dabei die AfD, Nord Stream und Aussagen aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Wichtig ist jedoch eine Unterscheidung: Nord Stream ist derzeit nicht wieder geöffnet. Die Pipelines wurden 2022 durch Explosionen schwer beschädigt und liefern weiterhin kein Gas nach Deutschland. Eine Wiederinbetriebnahme ist bislang weder von der Bundesregierung beschlossen noch offiziell angekündigt worden.
Aussagen von AfD und russischer Seite
Die AfD fordert seit Längerem eine Neubewertung der deutschen Energiepolitik und eine Wiederaufnahme von Energiebeziehungen mit Russland. AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla erklärte im Juli 2026 im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Nord-Stream-Anschlag, der Vorgang müsse umfassend aufgeklärt werden. Die AfD verbindet diese Forderung außerdem mit ihrer Kritik an der deutschen Ukraine-Politik.
Im September rückte das Thema erneut in den Fokus. Nach Reuters-Berichten bereiten Vertreter der AfD und Kirill Dmitriev, ein hochrangiger Wirtschaftsberater Putins, Gespräche für 2027 vor. Dabei soll unter anderem über eine mögliche Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Deutschland gesprochen werden. Die Gespräche wären allerdings an weitere politische Entwicklungen, darunter einen möglichen Friedensrahmen zwischen Russland und der Ukraine, geknüpft.
Dmitriev unterstützte öffentlich die Position der AfD zur Wiederaufnahme von Nord Stream. Das bedeutet jedoch nicht, dass Deutschland die Pipelines bereits wieder in Betrieb genommen hat oder dass eine entsprechende Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und Russland besteht.
Warum Nord Stream politisch so umstritten ist
Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine spielte russisches Pipelinegas eine bedeutende Rolle für die deutsche Energieversorgung. Nach dem Stopp der Lieferungen musste Deutschland seine Energieimporte deutlich stärker diversifizieren. Unter anderem wurden Lieferungen aus Norwegen sowie LNG-Importe ausgebaut.
Eine mögliche Rückkehr zu russischem Gas würde deshalb nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine außen- und sicherheitspolitische Debatte auslösen. Befürworter argumentieren, dass zusätzliche Gaslieferungen die Energieversorgung und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen verbessern könnten. Kritiker warnen dagegen vor einer erneuten Abhängigkeit von Russland.
Auch innerhalb der deutschen Parteienlandschaft ist die Frage umstritten. Die AfD verbindet eine mögliche Wiederaufnahme der Gasbeziehungen mit einer grundlegenden Änderung der Russland- und Energiepolitik. Andere Parteien lehnen eine erneute starke Abhängigkeit von russischen Energieimporten ab.
Nord-Stream-Ermittlungen laufen weiter
Parallel zur politischen Debatte gehen die Ermittlungen zu den Explosionen von 2022 weiter. Im Sommer 2026 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen einen ukrainischen Staatsbürger. Im August wurde in Kroatien ein weiterer Verdächtiger festgenommen. Ein kroatisches Gericht ordnete zunächst Untersuchungshaft im Zusammenhang mit einem möglichen Auslieferungsverfahren nach Deutschland an.
Damit bleibt Nord Stream gleichzeitig ein juristischer, energiepolitischer und geopolitischer Streitpunkt.
Was tatsächlich feststeht
Derzeit lässt sich die Entwicklung daher in drei Punkten zusammenfassen:
- Nord Stream ist nicht wieder geöffnet.
- Die AfD unterstützt eine Rückkehr zu russischen Gaslieferungen und spricht sich für eine Neubewertung der Energiepolitik aus.
- Gespräche zwischen AfD-Vertretern und einem russischen Wirtschaftsberater über eine mögliche Wiederaufnahme werden für 2027 berichtet – eine verbindliche deutsche Regierungsentscheidung zur Öffnung der Pipelines gibt es jedoch nicht.
Die Überschrift „Nord Stream GEÖFFNET!“ beschreibt deshalb keine bereits eingetretene Tatsache, sondern würde den aktuellen Stand übertreiben. Sachlich geht es bislang um politische Forderungen, öffentliche Aussagen und mögliche zukünftige Gespräche.