
Friedrich Merz hat in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte politische Wandlung vollzogen. Der CDU-Vorsitzende und heutige Bundeskanzler positioniert sich zunehmend als einer der entschiedensten Gegenspieler von Wladimir Putin in Europa – klarer, lauter und konsequenter als viele seiner Vorgänger und Rivalen.
Noch vor wenigen Jahren galt Merz als klassischer Transatlantiker mit wirtschaftsliberalem Profil, der außenpolitisch eher zurückhaltend auftrat. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat diese Haltung jedoch grundlegend verändert. Merz erkennt den Krieg nicht mehr als regionalen Konflikt, sondern als historischen Angriff auf die europäische Sicherheitsordnung – und zieht daraus weitreichende Konsequenzen.
Klare Worte statt diplomatischer Grauzonen
Während andere europäische Politiker lange zwischen Dialogangeboten und Abschreckung schwankten, spricht Merz inzwischen eine unmissverständliche Sprache. Er bezeichnet Putins Russland offen als aggressiven, revisionistischen Staat und warnt davor, aus Angst vor Eskalation politische Schwäche zu zeigen. Frieden, so Merz, werde es nicht durch Nachgiebigkeit geben, sondern nur durch Stärke und Geschlossenheit des Westens.
Diese Rhetorik ist kein Selbstzweck. Sie wird begleitet von konkreten politischen Entscheidungen: Deutschland unterstützt die Ukraine militärisch so umfangreich wie nie zuvor, liefert moderne Waffensysteme, baut Ausbildungsprogramme aus und treibt gemeinsam mit Partnern die europäische Rüstungskooperation voran.
Deutschland als sicherheitspolitische Führungsmacht
Unter Merz verabschiedet sich Deutschland zunehmend von seiner jahrzehntelangen Rolle als zögerlicher Akteur in Sicherheitsfragen. Der Kanzler setzt auf eine stärkere Bundeswehr, höhere Verteidigungsausgaben und eine strategische Neuausrichtung, die Abschreckung wieder ins Zentrum stellt. Damit positioniert sich Berlin als Schlüsselstaat in Europas Antwort auf Russland.
Besonders deutlich wird dies in der engen Abstimmung mit Osteuropa. Staaten wie Polen oder die baltischen Länder, die lange vor Russland warnten, finden in Merz erstmals einen deutschen Regierungschef, der ihre Sorgen uneingeschränkt teilt und politisch ernst nimmt.
Konfliktkurs mit Moskau – und Risiken
Merz’ harter Kurs macht ihn aus Moskauer Sicht zu einem Hauptgegner. Russische Medien und Offizielle kritisieren Deutschland schärfer als zuvor und werfen Merz vor, den Krieg zu verlängern. Auch innenpolitisch ist der Kurs nicht unumstritten: Teile der Bevölkerung fürchten wirtschaftliche Folgen, steigende Energiepreise und eine militärische Eskalation.
Merz nimmt diese Risiken bewusst in Kauf. Für ihn steht fest: Ein russischer Sieg in der Ukraine würde Europa dauerhaft destabilisieren und autoritäre Regime weltweit ermutigen. Die Kosten des Nichthandelns seien langfristig höher als die des entschlossenen Widerstands.
Ein neuer Machtfaktor in Europa
Ob Friedrich Merz tatsächlich zu Putins „mächtigstem Gegenspieler“ wird, hängt letztlich vom weiteren Kriegsverlauf und der Geschlossenheit des Westens ab. Fest steht jedoch: Er hat Deutschlands Rolle neu definiert. Aus dem oft zögerlichen Vermittler ist ein klar positionierter Akteur geworden, der bereit ist, politische und wirtschaftliche Kosten zu tragen, um Europas Sicherheit zu verteidigen.
Damit verändert Merz nicht nur das deutsche Selbstverständnis – sondern auch das Machtgefüge in Europa.