February 2, 2026

Alice Weidel und der Haushaltsstreit 2026: Eine Generalabrechnung mit der Bundesregierung

Der Plenarsaal des Deutschen Bundestages ist an diesem Vormittag angespannt. Applaus brandet auf, als Alice Weidel ans Rednerpult tritt. Was folgt, ist keine gewöhnliche Haushaltsrede, sondern eine Generalabrechnung mit der Bundesregierung – scharf, konfrontativ und voller drastischer Bilder. Weidel zeichnet das Bild eines Landes am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abgrund.

Im Zentrum ihrer Attacke steht der Haushaltsentwurf 2026. Weidel spricht von einem historischen Versagen und wirft dem Bundeskanzler vor, Deutschland in eine beispiellose Schuldenkrise zu führen. Wenn bereits ein Drittel der Staatsausgaben kreditfinanziert sei, befänden sich die öffentlichen Finanzen „am Abgrund“, so ihr Vorwurf unter Verweis auf den Bundesrechnungshof. Die Neuverschuldung der letzten vier Jahre – fast eine Billion Euro – bezeichnet sie als „direkten Marsch in den Staatsbankrott“.

Besonders scharf kritisiert Weidel die sogenannten Sondervermögen. Diese seien der Öffentlichkeit als Investitionsprogramme verkauft worden, entpuppten sich jedoch als Täuschung. Weder der Ausbau der Autobahnen noch der Erhalt der maroden Infrastruktur kämen voran. Mehr Geld im System ohne entsprechende Wertschöpfung führe zwangsläufig zu Inflation und steigenden Zinsen – mit fatalen Folgen für die Mittelschicht.

Von dort aus weitet Weidel den Blick auf die wirtschaftliche Gesamtlage. Die Insolvenzzahlen sprächen eine eindeutige Sprache. Bereits 222.000 Unternehmenspleiten im vergangenen Jahr, ein weiterer Anstieg für 2025 sei absehbar. Besonders alarmierend: Großinsolvenzen mit einem Jahresumsatz über zehn Millionen Euro nähmen weiter zu. Hunderttausende Arbeitsplätze seien bereits verloren gegangen, weitere würden folgen.

Mit eindringlichen Beispielen aus der Industrie versucht Weidel, die Dramatik zu unterstreichen. Volkswagen, Mercedes-Benz, ZF, Thyssenkrupp – überall Stellenabbau. Ganze Branchen, insbesondere Stahl und Chemie, verabschiedeten sich aus Deutschland. Die Deindustrialisierung sei keine abstrakte Theorie mehr, sondern Realität mit gravierenden sozialen Folgen.

Immer wieder kehrt Weidel zu den menschlichen Schicksalen zurück: Familien, die ihre Häuser nicht mehr abbezahlen können, Lebensstandards, die wegbrechen. Als Ursachen nennt sie hohe Steuern, explodierende Energiepreise, Bürokratie und eine aus ihrer Sicht ideologisch getriebene Klimapolitik.

Besonders hart fällt ihre Abrechnung mit der Energiewende aus. Die Kosten von vier bis fünf Billionen Euro in den kommenden Jahrzehnten stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen. Weidel zitiert Wirtschaftsberichte, wonach die Klimaziele nur deshalb erreicht würden, weil die deutsche Wirtschaft schrumpfe. Das sei ein „Armutszeugnis“ und beweise, dass wirtschaftlicher Niedergang bewusst in Kauf genommen werde.

Symbolisch dafür steht für sie der Atomausstieg. Die geplante Sprengung der Kühltürme des Kernkraftwerks Gundremmingen wird von Weidel als Akt ideologischer Zerstörung bezeichnet. Gleichzeitig plane die Bundesregierung neue Gaskraftwerke und zwinge Privathaushalte zu kostspieligen Heizungsumrüstungen – ein Widerspruch, den sie genüsslich herausarbeitet.

Doch die Rede beschränkt sich nicht auf Wirtschafts- und Energiepolitik. Weidel greift auch das Sozialsystem frontal an. Ohne funktionierende Wirtschaft sei der Sozialstaat nicht finanzierbar. Statt Reformen würden Sozialbeiträge erhöht und Lasten einseitig der arbeitenden Bevölkerung aufgebürdet. Das Bürgergeld bezeichnet sie als „Migrantengeld“, dessen Kosten außer Kontrolle geraten seien.

Besonders brisant sind ihre Vorwürfe massenhaften Betrugs durch Fake-Wohnadressen und gefälschte Dokumente. Die Bundesregierung tue nichts, das System sei kaputt und müsse von Grund auf reformiert werden. Gleichzeitig kritisiert Weidel eine angebliche Werbung für das Sozialsystem im Ausland – auf Kosten der deutschen Steuerzahler.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Rede ist die Migrationspolitik. Die versprochene Wende sei ein Bluff. Die Zahlen sprächen für sich: Nur 700 Zurückweisungen in vier Monaten, bei gleichzeitig zehntausenden neuen Asylzuwanderern. Auch bei Rückführungen nach dem Dublin-Verfahren habe sich nichts verbessert.

Weidel verbindet diese Kritik mit Warnungen vor einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft. Gewalt in den Städten, ein sinkendes Sicherheitsgefühl und politische Radikalisierung seien direkte Folgen einer verfehlten Politik. Besonders umstritten sind ihre Aussagen zur Antifa und zur angeblichen Instrumentalisierung staatlicher Institutionen wie des Bundesverfassungsgerichts.

Am Ende ihrer Rede präsentiert Weidel ein umfassendes Sofortprogramm: Stopp der Energiewende, Wiedereinstieg in die Kernkraft, Abschaffung des Bürgergeldes, Steuerreformen, restriktive Migrationspolitik. Es ist der offene Machtanspruch der AfD, verbunden mit einem Appell an die Union, die „Brandmauer“ zu überwinden.

Die Rede endet unter Applaus – und mit einer klaren Botschaft: Diese Auseinandersetzung ist mehr als ein Haushaltsstreit. Sie ist Ausdruck einer tiefen politischen Polarisierung, die Deutschland noch lange beschäftigen wird.

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