
Es sind Worte, die an Deutlichkeit kaum zu überbieten sind und die diplomatische Etikette des Berliner Politikbetriebs weit hinter sich lassen. In einem aufsehenerregenden Interview mit dem YouTuber Peter Weber („Hallo Meinung“) holt AfD-Chefin Alice Weidel zum Rundumschlag gegen die Ampel-Regierung aus. Im Fadenkreuz ihrer Kritik: SPD-Chef Lars Klingbeil, der Zustand der deutschen Wirtschaft und ein Beamtenapparat, den sie als reformbedürftiges Privilegien-System brandmarkt.
Die „strunzdumme“ Steuerpolitik
Der Auslöser für Weidels Wutrede ist ein Vorstoß von Lars Klingbeil. Dieser hatte in Medienberichten gefordert, US-Tech-Giganten wie Amazon, Netflix und Google in Deutschland stärker zur Kasse zu bitten. Was für manche nach Steuergerechtigkeit klingt, ist für Weidel wirtschaftspolitischer Selbstmord.
„Der Mann ist einfach strunzdumm, anders kann man das nicht sagen“, poltert Weidel. Sie wirft Klingbeil vor, keinerlei ökonomischen Sachverstand zu besitzen. Wer in einer Phase, in der man eigentlich um gute Handelsbeziehungen ringen müsste, über „Zwangssteuern“ für US-Unternehmen nachdenke, habe den Ernst der Lage nicht begriffen. Weidel sieht darin eine unnötige Provokation der Amerikaner, die den ohnehin schon angeschlagenen Standort Deutschland weiter schwächen würde. Für die AfD-Chefin ist Klingbeil symptomatisch für eine Regierungsmannschaft, der es an Ausbildung und Kompetenz mangele: „Er weiß nicht, was er sagt, und er weiß auch nicht, was Zahlen bedeuten.“
Wirtschaftspolitik oder Planwirtschaft?
Doch die Kritik beschränkt sich nicht auf Personalien. Weidel zeichnet das Bild einer Wirtschaft, die sich im freien Fall befindet. Insolvenzen würden steigen, doch anstatt gegenzusteuern, versuche die Regierung, die wahren Zahlen zu verschleiern. Der Vergleich, den sie zieht, ist drastisch: Selbst in der DDR-Planwirtschaft sei mancherorts rationaler gehandelt worden als in der heutigen „grünen Planwirtschaft“.
Es fehle eine Strategie, um abgewanderte Unternehmen zurückzuholen. Stattdessen setze man auf Ideologie. Während Polen mit EU-Geldern moderne Kernkraftwerke baue, schalte Deutschland seine ab und importiere dann den Strom. „Das ist ja der Wahnsinn“, resümiert Weidel kopfschüttelnd. Sie vermisst Fachleute in den Ministerien. Stattdessen säßen dort zu viele Juristen und Sozialwissenschaftler, die von realer Wertschöpfung keine Ahnung hätten.
Kampfansage an das Beamtentum: „Pensionen bis zum Gehtnichtmehr“
Ein besonders heißes Eisen fasst Weidel beim Thema Rentengerechtigkeit an. Sie fordert eine radikale Reform des Pensionssystems. „Beamte und Politiker müssen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen“, so ihre klare Ansage. Es sei der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr zu vermitteln, warum sie den „ganzen Spaß bezahlen“ solle, während Beamte mit enormen Privilegien und sicheren Pensionen ausgestattet seien.
Weidel warnt vor einem kippenden Generationenvertrag. Immer weniger Einzahler müssten für immer mehr Pensionäre aufkommen. Das System der Verbeamtung, einst Garant für staatliche Stabilität, sieht sie heute kritisch: „Wer einmal Beamter wird, scheint praktisch tun und lassen zu können, was er will.“ Eine Aussage, die in den Amtsstuben der Republik für Unruhe sorgen dürfte.
Linker Terror und frierende Rentner
Auch beim Thema Innere Sicherheit nimmt Weidel kein Blatt vor den Mund. Sie verweist auf Anschläge auf die kritische Infrastruktur, wie etwa die Sabotage an Stromleitungen in Berlin, bei der tausende Haushalte, darunter viele Senioren in Hochhäusern, im Kalten saßen. Für Weidel ist das Ergebnis von „linkem Terrorismus“, der vom Staat nicht konsequent genug bekämpft werde.
Sie zieht eine direkte Linie von staatlich geförderten NGOs hin zu extremistischen Aktionen. Wenn Aktivisten in Workshops lernten, wie man Infrastruktur sabotiere, und dies indirekt mit Steuergeld finanziert werde, habe der Staat versagt. „Wo ist denn hier der Verfassungsschutz?“, fragt sie provokant und unterstellt den Behörden, auf dem linken Auge blind zu sein.
Die Angst vor der Sabotage von innen
Mit Blick auf das „Superwahljahr“ und die hohen Umfragewerte der AfD in den ostdeutschen Bundesländern äußert Weidel eine brisante Befürchtung: Sabotage durch den eigenen Verwaltungsapparat. Sollte die AfD, etwa in Person von Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt, Regierungsverantwortung übernehmen, rechnet sie mit massivem Widerstand aus den Ministerien.
„Meinen Sie mal, wie der ganze Apparat da unten drunter versuchen wird, das ganze Ding zu sabotieren“, prognostiziert sie. Doch die Partei bereite sich vor. Eine eigens gegründete Arbeitsgruppe aus Juristen und Fachleuten analysiere bereits jetzt, welche Hebel man in Bewegung setzen müsse, um trotz eines feindlich gesinnten Beamtenapparats regierungsfähig zu sein. Es ist ein Szenario, das zeigt, wie tief das Misstrauen zwischen der AfD und den etablierten Strukturen mittlerweile sitzt.
Fazit: Frontalangriff auf das Establishment
Das Interview mit Alice Weidel ist mehr als nur Wahlkampfgetöse. Es ist eine Generalabrechnung mit dem politischen und administrativen System der Bundesrepublik. Weidel präsentiert sich und ihre Partei als einzige Kraft, die bereit ist, die „unbequemen Wahrheiten“ auszusprechen – sei es bei der Rente, der Migration oder der Wirtschaftspolitik. Ob ihre drastischen Lösungen und Analysen verfangen, werden die kommenden Wahlen zeigen. Eines jedoch ist sicher: Der Ton im politischen Berlin wird rauer, und die AfD ist bereit, die Konfrontation auf die Spitze zu treiben.