October 3, 2026

Lawrow und Wadephul treffen sich in New York: 20 Minuten Gespräch – doch keine Annäherung

Am Rande der UN-Generaldebatte in New York sind der deutsche Außenminister Johann Wadephul und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow erstmals seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Jahr 2022 zu einem direkten bilateralen Gespräch zusammengekommen.

Das Treffen dauerte nach Angaben deutscher und internationaler Medien etwas mehr als 20 Minuten. Es endete mit einem Handschlag, brachte jedoch nach Aussagen beider Seiten keinen politischen Durchbruch.

Lawrow sieht keinen neuen Inhalt

Nach dem Gespräch äußerte sich Lawrow deutlich zurückhaltend zum Ergebnis. Er erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass er aus dem Gespräch nichts gehört habe, was über die bisherigen öffentlichen Äußerungen der Bundesregierung hinausgegangen sei.

Nach Darstellung Lawrows hätte Wadephul die deutschen Positionen auch telefonisch übermitteln können. Damit machte der russische Außenminister deutlich, dass er in dem Treffen keine wesentliche Veränderung der bekannten deutschen Haltung erkennen konnte.

Die Darstellung, Lawrow habe Wadephul nach 20 Minuten „hinausgeworfen“, lässt sich durch die vorliegenden Berichte dagegen nicht bestätigen. Die bekannten Berichte beschreiben ein kurzes Gespräch, das regulär mit einem Handschlag endete.

Wadephul spricht von einem intensiven Gespräch

Wadephul bewertete die Begegnung anders. Der deutsche Außenminister bezeichnete das Gespräch als intensiv und erklärte anschließend, dass beide Seiten in wesentlichen Fragen weiterhin weit auseinanderlägen.

In den ARD-„Tagesthemen“ begründete Wadephul den direkten Kontakt mit der Notwendigkeit, auch mit politischen Gegnern im Gespräch zu bleiben. Er erklärte sinngemäß, dass Verhandlungen gerade mit Gegnern notwendig seien. Gleichzeitig räumte er ein, dass Russland derzeit keine Bereitschaft zu einer konstruktiven Verhandlungsposition erkennen lasse.

Warum kam es überhaupt zu dem Treffen?

Nach Angaben Wadephuls war das Gespräch unter anderem durch Vermittlung beziehungsweise Anregungen anderer Staaten zustande gekommen. Mehrere internationale Gesprächspartner hätten ihn dazu ermutigt, wieder direkten Kontakt mit Russland aufzunehmen.

Wadephul nannte außerdem konkrete Themen, die aus deutscher Sicht ein Gespräch erforderlich machten. Dazu gehörten Sicherheitsfragen sowie die Situation rund um die Getreideexporte über das Schwarze Meer.

Deutschland drängt darauf, eine Lösung für die blockierten beziehungsweise beeinträchtigten Getreideexporte zu finden. Wadephul verwies dabei auf die Auswirkungen des Krieges auf Länder des sogenannten Globalen Südens und warnte vor möglichen Folgen für die Ernährungssicherheit.

Auch der Krieg in der Ukraine war Thema

Nach Angaben deutscher Delegationskreise forderte Wadephul Russland zu einer Deeskalation auf. Deutschland bekräftigte dabei seine Unterstützung für die Ukraine und seine Forderung nach einem Ende des russischen Angriffskrieges.

Wadephul machte zugleich deutlich, dass Deutschland und Europa ihre Interessen nicht vollständig anderen Staaten überlassen wollten. Direkte Kommunikationskanäle mit Moskau sollten deshalb trotz der bestehenden politischen Spannungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Keine Normalisierung der Beziehungen

Aus dem Treffen folgte allerdings keine politische Annäherung zwischen Berlin und Moskau. Wadephul erklärte nach dem Gespräch, dass es weiterhin erhebliche Differenzen gebe.

Auch Lawrows öffentliche Reaktion deutete nicht auf einen Durchbruch hin. Der russische Außenminister stellte den zusätzlichen Erkenntnisgewinn des Gesprächs infrage und verwies auf die bereits bekannten öffentlichen Positionen Deutschlands.

Damit bleibt das Treffen vor allem ein Zeichen dafür, dass nach Jahren ohne direkte Gespräche auf Außenministerebene wieder ein Kommunikationskanal geöffnet wurde. Eine grundlegende Veränderung der deutsch-russischen Beziehungen ist daraus bislang jedoch nicht erkennbar.

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