
In Davos wird eine neue Social-Media-Plattform vorgestellt, die eine Alternative zu X werden soll. Die Plattform „W“ soll wertebasiert sein und gegen Falschinformationen vorgehen. Das Unternehmen dahinter gehört zu einer Klima-Aktivismus-Plattform.

Neue Plattform „W“ in Davos vorgestellt – Europas wertebasierte Antwort auf X?
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos wurde eine neue Social-Media-Plattform präsentiert, die den Anspruch erhebt, eine europäische Alternative zu X zu werden. Der Name: „W“. Die Mission: mehr Werte, weniger Desinformation – und ein radikaler Bruch mit dem, was die Gründer als Vertrauenskrise im digitalen Raum beschreiben.
„Etwas ist kaputt. Wir trauen nicht mehr dem, was wir online sehen“, heißt es zu Beginn des Präsentationsvideos, das in einem abgedunkelten Raum gezeigt wurde. Die Inszenierung erinnert an den ikonischen Vorspann der Star-Wars-Filme: dramatische Musik, klare Fronten, ein erzählerischer Kampf zwischen den „Guten“ und den „Bösen“ im Social-Media-Universum. Die Botschaft ist eindeutig – bestehende Plattformen hätten versagt, nun brauche es einen Neuanfang.
Der Washington-Post-Redakteur Ishaan Tharoor ordnet „W“ als gezielten Gegenentwurf zu Plattformen ein, auf denen sich Falschinformationen, Polarisierung und anonyme Hetze ungehindert verbreiten. „W“ wolle genau dort ansetzen – mit klaren Regeln, überprüften Inhalten und einer neuen Form digitaler Verantwortung.
„We“, „Values“ und „Verified“
CEO der neuen Plattform ist Anna Zeiter. Gegenüber bilanz.ch erläutert sie die Bedeutung des Namens:
Das „W“ stehe zum einen für „We“ – das Gemeinschaftliche. Zum anderen setze es sich aus zwei „V“ zusammen: „Values“ (Werte) und „Verified“ (verifiziert).
Die Stoßrichtung ist klar: Inhalte und Nutzer sollen überprüfbar sein, Kommunikation soll sich an definierten Werten orientieren. „Positive, respektvolle Kommunikation soll gefördert werden“, sagt Zeiter. Eine kleine, ausgewählte Gruppe soll darüber wachen, dass diese Werte eingehalten werden – ein Ansatz, der bereits jetzt Kritiker auf den Plan ruft, die vor einer moralischen Filterinstanz warnen.
Nähe zum Klima-Aktivismus
Brisant ist auch der Hintergrund des Projekts:
„W“ ist eine Tochtergesellschaft der schwedischen Klima-Aktivismus-Plattform „We don’t have time“, die laut bilanz.ch auch einen Großteil der Startfinanzierung übernommen hat. Kritiker sehen darin ein mögliches Indiz für eine politische oder ideologische Schlagseite der neuen Plattform – insbesondere bei klima- und gesellschaftspolitischen Themen.
Der offizielle Firmensitz von „W“ soll in Schweden liegen. Gleichzeitig plant das Unternehmen internationale Präsenz mit Büros in Berlin, Paris und London.
Klarnamenpflicht statt anonymer Accounts
Ein zentrales Element des Konzepts ist die Identifizierung realer Menschen. Nutzer sollen sich eindeutig als Personen ausweisen müssen, um Bots, Fake-Accounts und koordinierte Manipulation zu verhindern. Wie genau diese Verifikation technisch und datenschutzrechtlich umgesetzt werden soll, ist bislang offen.
Fest steht: „W“ will bewusst einen anderen Weg gehen als viele etablierte Plattformen – weg von maximaler Reichweite, hin zu kuratierten Inhalten und kontrollierter Interaktion.
Hoffnungsträger oder digitales Regelwerk?
Ob „W“ tatsächlich das Vertrauen der Nutzer zurückgewinnen kann, bleibt abzuwarten. Der Anspruch ist hoch, die Skepsis ebenso. Zwischen dem Versprechen einer respektvollen Debattenkultur und der Gefahr von Überregulierung verläuft ein schmaler Grat.
Sicher ist: Mit „W“ betritt ein Projekt die Bühne, das den Kampf um die Zukunft sozialer Medien offen politisch, wertegeladen und europäisch interpretiert – und damit schon vor dem offiziellen Start für reichlich Diskussionen sorgt.